Gibt es jetzt 12 oder 13 Sternzeichen?

Immer wieder taucht die Frage auf, weshalb es nur 12 und nicht 13 Sternzeichen gibt im Horoskop.

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir weit zurückgehen in die Antike. Die früheren Völker, allen voran die Babylonier, beobachteten intensiv das Himmelsgeschehen. Dies war notwendig für die Seefahrt, aber auch, um Jahreszeiten und Wetter zu verstehen. So fiel als erstes der Zusammenhang zwischen der Sonnenbewegung am Himmel und den Jahreszeiten auf. Die Babylonier kannten die Sonnenwendpunkte, lat. Solstitium, im Sommer auf der nördlichen Halbkugel um den 21. Juni herum, im Winter am 21. / 22. Dezember. Ebenso kannten sie die beiden Tag- und Nachtgleichen, lat. Äquinoktium, im Frühjahr (ca. 21. März) und Herbst (ca. 21. September). Weiterhin beobachteten sie, dass es bei einem Sonnenumlauf von einem Frühlingspunkt zum nächsten, also in einem Jahr, zwölf Vollmondnächte gibt.

Wieviele Sternzeichen gibt es?
Wieviele Sternzeichen gibt es?

Die Eckpunkte der Tag- und Nachtgleichen und der Sonnenwendpunkte sind also fixe Punkte im Jahreslauf der Sonne. Das ist eine unbestreitbare Tatsache. Zur besseren Orientierung wurde der Fixsternhimmel in Sternbilder eingeteilt. Entlang der Bahn, die die Sonne und alle Planeten am Himmel von der Erde aus ziehen, der Ekliptik, hatten sich die Chaldäer die Fixsterne in Sternbilder entlang der Ekliptik eingeteilt und ihnen Namen gegeben. Insgesamt gibt es heute 88 Sternbilder.

Als ersten Eckpunkt wählten sie den Frühlingspunkt, also den exakten Zeitpunkt der Tag- und Nachtgleiche in unseren heutigen Monat März. Damals befand sich hier das Sternbild Widder.

Ein Sternbild ist eine Fixsternansammlung am Himmel, das willkürlich zu einer in der Phantasie des Betrachters entstehenden Figur zusammengefasst ist. Diesen Sternbildern gaben die Chaldäer Namen, und diese Sternbilder dienten der besseren Orientierung am Himmel. Unveränderliche Bezugspunkte der Sonnenbahn waren die vier genannten Eckpunkte, die beiden Sonnenwendpunkte und die beiden Tag-und-Nacht-Gleichen. Damals gab man diesen Bezugspunkten Namen: Da der Frühlingspunkt sich damals in der Nähe des Sternbildes Widder aufhielt, benannte man diesen Punkt nach diesem Sternbild. Die vier Bezugspunkte sind auf der Ekliptik jeweils exakt 90 Grad auseinander. Der Tierkreis der Anfangszeit wurde also anhand der Jahreszeiten in vier Bereiche eingeteilt. Zu der Einteilung der Jahreszeiten kam es so: Die alten Völker beobachteten, dass es im Winter kalt und nass war. Im Frühling nahm die Wärme zu, und sie nannten diese Jahreszeit warm und nass. Der Sommer wurde trockener, wurde als warm und trocken bezeichnet, wogegen im Herbst die Kälte allmählich zunahm (kalt und trocken). So wurde der Tierkreis zunächst in vier Abschnitte eingeteilt, denen man anhand der sich in der Antike an den Bezugspunkten stehenden Sternbildern die Namen Widder, Krebs, Waage und Steinbock gab. Anhand der Mondphasen war man allerdings bald geneigt, die Einteilung in zwölf statt vier Abschnitte vorzunehmen. Da die vier Abnschnitte exakt gleich groß waren, erschien die Einteilung in zwölf gleich große Teile ebenfalls gerechtfertigt. Nun gab man diesen zwölf Bereichen des Tierkreises Namen der heutigen Sternzeichen.

Der Unterschied zwischen Sternbild und Tierkreiszeichen kann nicht oft genug betont werden: Sternbilder sind die Fixsternansammlungen am Himmel, Sternzeichen oder Tierkreiszeichen lediglich die Namen für zwölf Abschnitte der Sonnenbahn, die immer mit dem Frühlingspunkt beginnt und den Namen „Widder“ beibehalten hat, obwohl am tatsächlichen Fixsternhimmel sich eine Verschiebung, die sogenannte Präzession, stattgefunden hat und dort, wo in der damaligen Zeit sich das Sternbild Widder befand, sich heute das Sternbild Wassermann befindet. Die Bezeichnung des Frühlingspunktes im Horoskop hat man nicht geändert: null Grad Widder ist der Frühlingspunkt, der astronomisch exakt bestimmbar ist. Das Sternzeichen Widder ist lediglich eine Namensbezeichnung für den ersten Abschnitt des Tierkreises von 0 bis 30 Grad. Man hätte diesen Abschnitt genauso gut “Sektor A” taufen können.Vom Frühlingpunkt aus werden die 360 Grad des Tierkreises gezählt, vom Frühlingspunkt aus beginnt man die zwölf Abschnitte des Tierkreises zu zählen.

Somit geht es in einem Horoskop nicht darum, welche Sternbilder sich am Himmel zeigen, sondern in welchem Abschnitt des Jahreslaufs sich die Sonne befindet. Deshalb kann man anhand des Kalenders relativ leicht erkennen, unter welchen “Sternzeichen” (nicht Sternbild!) ein Mensch geboren ist. Es handelt sich dabei nämlich um die Angabe, in welchem der 12 Tierkreisabschnitte sich die Sonne gerade befindet. Jedes Tierkreiszeichen hat genau 30 Grad, und da die Sonne etwa jeden Tag ein Grad weiter wandert (mit kleinen Abweichungen), haben wir jeden Monat ab etwa dem 21. / 22. ein neues “Tierkreiszeichen” im Kalender stehen.

Ein gesamtes Geburtshoroskop allerdings besteht aus weitaus mehr als aus dem Sonnenzeichen, es werden alle Himmelskörper (neben den Planeten eben auch Sonne und Mond) des Sonnensystems und weitere Punkte wie der Aszendent berücksichtigt.